Was macht ein Scrum Master, wenn das Team im Urlaub ist?
von Marc Bosserhoff
, am 4. Januar 2021

In der Zeit zwischen den Jahren kehrt in den meisten Firmen etwas Ruhe ein – mit den aktuellen Herausforderungen der Corona-Pandemie sind die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr noch ruhiger als sonst. Wenn wir an diese Zeit und die Rolle des Scrum Masters denken, scheint es auf den ersten Blick so als würde das Bild eines Scrum Masters, alleine am Schreibtisch sitzt, nicht so sehr zur Rolle passen. Denken die meisten doch an den Scrum Master als einen Moderator mit Flipchart, Post-its, Check-in Spielen, Workshops oder ähnliches. Das Jahr 2020 hat gezeigt, dass das auch alles sehr gut online mit diversen Tools und Hilfsmitteln geht. Ja, aber was macht denn dann ein Scrum Master, wenn das Team zwischen den Jahren im Urlaub ist? 

Würden wir die Rolle des Scrum Masters so verstehen wie es fälschlicherweise viele Menschen in der Webentwicklung tun, könnten wir den Artikel hier abbrechen. Viele sehen den Scrum Master nur als Moderator von Events und Bespaßer der Teams. Doch diese Sicht ist eindeutig zu kurz und entspricht nicht dem, wie wir die Rolle auslegen. Dies zeigt sich auch in den Aktivitäten, die wir so zwischen den Jahren ganz ohne Team machen.

Zeit für Fachartikel und Blogbeiträge

Ein großer Aspekt, der im hektischen Alltag oft zu kurz kommt, ist die Recherche bzw. das Lesen von Fachartikeln, Blogbeiträgen aus der Community oder das ganz bewusste Hören von Podcasts. Sehr zu empfehlen ist hier als Ausgangspunkt wie immer scrum.org, um zu sehen, was in der Community grade diskutiert wird. Daneben ist vor allem der Agile Growth Podcast von Simon und Jasmin zu empfehlen (https://open.spotify.com/show/6GBOhipNFXqvGtNGFYAyFc). Gerade mit der Revision und Anpassung des Scrum Guides gab es in diesem Jahr auch viele Videos rund um die Änderungen, die eine Überarbeitung des 25 Jahre alten Frameworks mit sich brachte (eine sehr gute Darstellung kommt mal wieder von den Liberators: https://www.scrum.org/resources/blog/scrum-framework-illustrated

Auch das kann man in ruhigeren Arbeitsstunden endlich einmal wieder machen: sich dem Scrum Guide widmen und überprüfen, ob das was man predigt auch eine Grundlage hat. Mit dem Update gilt es ebenso die eigenen Praktiken zu bewerten und noch mehr zu hinterfragen. Hierzu gab es unter anderem eine Miniserie auf scrum.org, die sich sehr lohnt: https://www.scrum.org/scrum-guide-2020 

Reflektieren, hinterfragen, analysieren

Hinterfragen und reflektieren zählt neben der eingängigen Lektüre des Frameworks auch während der normalen Office Hours immer zur Arbeit eines Scrum Masters, kommt im trubeligen Alltag doch manchmal auch zu kurz und die Ruhe zwischen den Jahren bietet genug Raum, um auch die eigene Leistung zu reflektieren und kritisch zu bewerten. Dies kann zum Beispiel mit einer persönlichen Retro erfolgen, in der man sich klassisch dreigeteilt überlegt:

  • Was möchte ich so weiter machen?
  • Was möchte ich anders machen?
  • Was möchte ich nicht mehr tun?

Alternativ und auf einen längeren Zeitraum angelegt, gibt es auch Onlinekurse wie den von agilesocks.com (https://agilesocks.kartra.com/page/ScrumMasterGrow), der dabei hilft, das eigene Tun zu reflektieren. 

Erstellen einer Roadmap für die nächsten Ziele

Aus dieser Art von Reflektion, die schon einiges an Selbstdisziplin erfordert, folgt meist unweigerlich auch eine Roadmap für das nächste Jahr. Was sind Themen, die man angehen möchte? Welche langfristigen Ziele will man verfolgen? Gibt es Probleme, die über das Jahr hinweg immer wieder aufgetaucht sind und deren Lösung mehr Priorität im neuen Jahr bekommen sollten? Welche Mitarbeiter benötigen eventuell mehr Aufmerksamkeit? Sind Umstrukturierungen geplant? Es hilft, die ruhigen Tage zu nutzen, um das nächste Jahr zu visualisieren, auch wenn sich die Ziele natürlich immer wieder ändern können. 

Agenda 2021 & Austausch mit den Mitarbeitern

Ein Part unserer Agenda für 2021 ist unter anderem die Etablierung von Workshops für Scrum Einsteiger oder die Schulung von Product Ownern, daher eignen sich die Tage zwischen den Jahren hervorragend, um den Grundstein für diese Workshops zu legen und erste Konzepte auszuarbeiten. 

Neben den inhaltlichen Arbeiten sollte man sich auch mal die Zeit nehmen und den morgendlichen Kaffee am Schreibtisch mit Mitarbeitern aus einem anderen Team oder anderen Abteilung zu trinkenund einfach zu quatschen, um auch über die eigenen Teamgrenzen hinaus im Austausch zu bleiben. Wenn noch Mitglieder des eigenen Teams im Büro/Homeoffice sind, sollte man sich die Zeit nehmen, um zu hören wie es den einzelnen Mitgliedern geht und wie das Jahr für sie war. 

Wie auch im regulären Alltag sollte man sich den Tag aber nicht zu vollpacken, denn zu den wichtigen Aspekten der Arbeit eines Scrum Masters gehört es, sich die Zeit zum Beobachten und Zuhören zu nehmen. Frei nach Barry Overeems großartigem Artikel schon aus 2017: https://www.scrum.org/resources/blog/day-life-scrum-master

Hilfestellung bei Problemen & Weiterbildung durch Onlinekurse

Daneben kann es auch immer sein, dass gerade in der Onlineshopping-intensiven Zeit zwischen den Jahren der Bedarf eines Vermittlers besteht, der Abteilungen miteinander verknüpft und sicherstellt, dass Probleme gelöst werden. 

Wenn dann noch immer Zeit ist, kann es nicht schaden auch als Nicht-Entwickler zum Beispiel mal einen Einstiegskurs zu SQL zu machen, der zum einen dabei helfen kann, die Arbeit der Entwickler besser zu verstehen und zum anderen auch helfen kann, die Visualisierung von Burndown und Velocity auf ein anderes Level zu heben. Zu empfehlen ist hier die Plattform udemy und der Kurs https://www.udemy.com/course/the-complete-sql-bootcamp/ 

Naja, und daneben gibt es auch zwischen den Jahren immer wieder Online Meetups oder auch noch Jahresfeiern – es wird also auch ohne Team nicht langweilig! 

https://www.piazzablu.com/der-scrum-master-als-coach/
https://www.piazzablu.com/scrummaster-vs-projektmanager/