Corona und die Auswirkungen auf den Einzelhandel 
von Mona Wagner
, am 12. Januar 2021

Das Jahr 2020 – wer hätte gedacht, dass so etwas passieren wird? Was zunächst klingt wie in einem Katastrophenfilm wurde zur Realität. Und nach jedem Erwachen am Morgen die Feststellung – Nein, es ist kein Alptraum. Die Corona-Pandemie hat die Welt, die es vorher gab, komplett auf den Kopf gestellt. Mit gewaltigen Auswirkungen, die fast alle Lebensbereiche betreffen. Viele Menschen haben ihren Job verloren, ganze Existenzen sind weggebrochen. Die Corona-Pandemie hat eine Realität geschaffen, mit der wir uns arrangieren müssen. Denn auch in 2021 muss es weitergehen. Neues Jahr, neues Glück! Optimismus ist jetzt gefragt, aber auch neues Denken und Handeln. Neben vielen Wirtschaftszweigen wie der Gastronomie und der Veranstaltungsbranche, ist der Einzelhandel stark von der Corona-Pandemie betroffen. Vor allem durch die Schließungen der stationären Ladengeschäfte im März und April 2020, aber auch durch Schließungen während des Teil-Lockdowns im November und dem harten Lockdown seit Mitte Dezember. Besonders der Lockdown im Dezember war tragisch, denn kurz vor Weihnachten ist für viele Handelsbranchen die umsatzstärkste Zeit des Jahres. Teilweise werden in dieser Zeit 25 Prozent oder mehr des Jahresumsatzes generiert.  

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass so manch einer das Jahr 2020 schon als Katastrophenjahr bezeichnet. Kann es noch schlimmer werden? Zwar zeigen sich die wahren Ausmaße erst im Verlauf diesen Jahres. Aber schon jetzt leiden drei Viertel der Modehändler unter Existenzängsten. Kein Wunder, rechnet doch der Handelsverband Deutschland (HDE) mit Umsatzeinbußen von mindestens 36 Mrd. Euro. 

Weniger Konsum und Kauflust 

Selbst während des Teil-Lockdowns zeigt ein Blick in die Fußgängerzonen der Städte die große Leere. Kein Schaulaufen mehr auf der Düsseldorfer Königsallee, kein Gehetze durch die Kölner Schildergasse, keine Luxusshopper auf dem Berliner Kudamm. Wo sich vor Corona Passanten in Massen durch die Straßen drängelnden, gibt es jetzt Platz im Überfluss.  

Ein Blick auf die Statistik bestätigt diesen Eindruck. Die Zeil in Frankfurt verzeichnete an den Wochenenden im März nach dem Lockdown 80 Prozent weniger Passanten als im vergleichbaren Zeitraum vor dem Lockdown. Die Kölner Hohe Straße, sonst ein beliebtes Shopping Ziel, sogar fast 90 Prozent weniger.

Keine Frage: Die Corona-Maßnahmen der Politik und die damit verbundenen Restriktionen mindern die Kauflust in den Innenstädten. Maskenpflicht, Hygienekonzepte, Einlassbeschränkungen und Schlangestehen laden nicht zum entspannten Einkaufsbummel in der Innenstadt ein. Einkäufe unter Corona erfolgen fast nur noch zielgerichtet. Gelegenheitskäufe oder emotional getriggerte Käufe fallen weitestgehend aus. Es fehlen die Spontankäuferinnen und -käufer. Es fehlen aber auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihr Innenstadtbüro mit dem Arbeitsplatz im Home-Office getauscht haben. 

Wachstum des Online-Handels & Probleme der stationären Einzelhändler 

Dass dennoch gekauft wird, zeigt der Online-Handel, der in der Corona-Krise zu großen Teilen kräftig wächst. Nicht nur bei Waren des täglichen Bedarfs, sondern auch bei Freizeitprodukten, Heimwerkerartikeln oder Spielwaren. Zwar musste der Textilhandel aufgrund ausfallender Feste, Events und Home-Office sowohl stationär als auch online Umsatzeinbußen verzeichnen, aber online stieg die Nachfrage der Verbraucher im Verlauf des Jahres wieder deutlich an. Während der Online-Handel profitiert, stehen viele Einzelhändler ohne Hilfen der Bundesregierung kurz vor der Insolvenz. Auch die Top-Lage in der Fußgängerzone nützt nichts, wenn der Laden geschlossen ist.

Mit Kurzarbeitergeld und anderen finanzielle Hilfen versucht der Staat, die durch Corona bedingten Umsatzeinbrüche kurzfristig zu mildern. Langfristig sind aber andere Lösungen für den stationären Handel gefragt. Wie so oft liegt auch hier in der Krise eine Chance. Jetzt gilt es, nicht einfach den Kopf hängen zu lassen und weiterzumachen wie bisher. Angesichts der neuen Herausforderungen wäre das keine Lösung. Vielmehr ist es an der Zeit, unter geänderten Vorzeichen neue Antworten auf die drängenden Fragen zu suchen und trotz aller Corona bedingten Verunsicherungen Veränderungen zu wagen. Sicher, gegen fehlende Umsätze durch Absagen von Familienfeiern, Hochzeiten oder Events kann der traditionelle Handel nichts unternehmen. Aber Umsatzeinbrüche durch fehlende Kundschaft im stationären Handel können, zumindest teilweise, ausgeglichen werden.  

Lösungen und Chancen für den Einzelhandel  

Machen wir uns nichts vor. Auch nach Corona wird Deutschland nicht völlig in den „Vor-Corona-Modus“ zurückkehren. Home-Office spielt weiterhin eine größere Rolle und der Online-Handel wird seine durch die Krise gestärkte Rolle behalten. Für den stationären Handel heißt dies, dass die digitale Transformation das Gebot der Stunde ist. Was nicht unbedingt bedeutet, gleich mit einem eigenen Online-Shop an den Start zu gehen. Zwar sind globale Plattformen wie Amazon, eBay und Co. bekannter. Für kleinere Händler sind jedoch regionale oder sogar lokale Marktplätze oft die bessere Wahl. Beispielsweise bietet die erst in der Corona-Krise entstandene Onlineplattform einzelheld.de regionalen Einzelhändlern eine Möglichkeit, Waren und Produkte auch außerhalb ihres stationären Geschäftes online anzubieten. Der Kunde wählt das gewünschte Produkt, bezahlt bequem online und das Geschäft liefert die bestellte Ware anschließend aus. Selbst bei einer behördlich angeordneten Schließung des stationären Ladens können Kunden und Stammkunden weiter bei ihrer Lieblingsbücherei, ihrer Lieblingsvinothek oder ihrer Lieblingsboutique einkaufen und wandern nicht in den reinen Onlinehandel ab. Einen anderen Weg verfolgen Onlineangebote wie „Veedelsretter.koeln“,„Nebenan.de“, „Tueshop.de“ oder „Helfen-Shop.berlin“. Über diese Onlineplattformen kann man Gutscheine seiner lokalen Lieblingsgeschäfte erwerben, die nach Ende der Ladenschließung eingelöst werden können.

Um besonders kleineren und mittelgroßen stationären Händlern den Eintritt in die Internetwelt und den Onlinehandel zu erleichtern, bieten die Handelsverbände sogenannte Digital Coaches als Berater an. Und auch der Online-Marktplatz eBay unterstützt mit seinem kostenfreien Programm „eBay-Durchstarter“ Händlern beim Einstieg in den Online-Handel. Zudem erhalten alle neu hinzukommenden eBay-Händler einen persönlichen Kundenberater, der den Händlern bei Konzeption und Entwicklung der eigenen eBay-Seite hilft und sie berät.

Fazit

Beispiele, die Hoffnung geben und zeigen, dass es sich für kleine und mittelgroße stationäre Läden durchaus lohnt, online zu gehen. Aber nicht nach „Schema F“ oder „Null-Acht-Fünfzehn“, sondern angepasst an die individuellen Händlergegebenheiten und Kundenbedürfnisse. Nicht jeder Onlineshop muss mit Virtual- und Augmented Reality ausgestattet sein, oder über einen Chatbot verfügen. Trotz des höheren Aufwandes kann sich für eine exklusive Modeboutique oder ein Einrichtungshaus der Einsatz dieser eCommerce-Unterstützer dennoch durch die bessere Customer-Experience und höheren Umsätze lohnen. Was auch zeigt: Eine Bedarfsanalyse und eine gute Beratung ist vor dem Eintritt in die Internetwelt und dem Einrichten eines Onlineshops unverzichtbar.

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